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WINTERDEPRESSION

Jahreszeitlich abhängige Veränderungen von Stimmung, Antrieb u.a. sind seit der Antike bekannt. Das betrifft sowohl Befindlichkeitsschwankungen als auch ernstere affektive Störungen, populärmedizinisch Winter- oder Lichtmangel-Depression, wissenschaftlich saisonal abhängige Depressionen genannt. Charakterisiert sind sie durch einen für diese Depressionsart typisches Beschwerdebild, nämlich Tagesmüdigkeit, "schlechte Laune" oder gar resignierte Deprimiertheit, Appetitzunahme, vor allem auf Kohlenhydrate und vermehrter, aber unerquicklicher Schlafbedarf. Die Therapie ist eigentlich einfach, wird aber nur selten genutzt: täglicher Gesundmarsch bei Tageslicht. Darüber hinaus empfehlen sich Lichttherapie, Johanniskraut oder ggf. ein synthetisches (SSRI-)Antidepressivum.
Jahreszeitlich abhängige Veränderungen von Stimmung, Antrieb und sogar Organfunktionen sind seit alters her bekannt und schon in der Antike beschrieben. Dies gilt vor allem für den "Einbruch der Stimmung", bis hin zu ausgeprägten Depressionen, wie sie bevorzugt in diese Jahreszeit fallen sollen. Statistisch ist dies allerdings zu korrigieren. Denn je nach Art der Depression sind es vor allem Frühling und Herbst, die insbesondere die biologisch mitbestimmten Depressionen (früher endogene Depressionen genannt) auszulösen pflegen. Erst danach kommen Spätherbst und Winter und an letzter Stelle der Sommer.

Jahreszeitlich abhängige Befindlichkeitsschwankungen lassen sich nach entsprechenden Untersuchungen wie folgt festlegen: Mai und Juni sind "Stimmungs-Spitzenreiter". Dort geht es der Mehrheit am besten. Juli und August zeigen manchmal schon einen angedeuteten Stimmungs- und Aktivitätsrückgang, wahrscheinlich am ehesten durch Hitze bzw. Schwüle bedingt. September und Oktober scheinen - je nach Studie - unterschiedliche Meinungen auszulösen: Bei den einen setzt sich dieser "Niedergang" kontinuierlich fort, bei den anderen gibt es eine Art "herbstlichen Aufschwung", besonders wenn es sich um einen "goldenen Herbst" handelt. Der November schließlich ist für viele der Beginn der "klimatisch-psychologisch unerfreulicheren Zeit". Das bessert sich auch nicht im Dezember, Januar und Februar, wird eher noch schlechter. Im März hingegen geht es wieder aufwärts: im April deutlich, um im Mai und Juni - wie erwähnt - den Höhepunkt zu erreichen.

Wenn es sich um keine Befindlichkeitsstörungen, sondern um so genannte saisonal abhängige Depressionen (Winter- oder Lichtmangel-Depression, saisonal rezidivierende depressive Störung) handelt, dann geht es um folgende Stimmungskurve: Am günstigsten wiederum im Mai, Juni, Juli und August. Ab September deutlicher Abfall über die Monate Oktober, November und Dezember und vor allem Januar hinweg. Im Februar "Stimmungs-Erholung", und zwar kontinuierlich über März, April bis zum Mai. Und das ist ja auch bei Patienten mit einer "Winter-Depression" die beste "Stimmungszeit".

Wie äußert sich eine saisonal abhängige Depression?

Die wichtigsten Symptome sind Müdigkeit, sozialer Rückzug, verstärkter Appetit, insbesondere auf kohlenhydrat-haltige Nahrung und damit Gewichtszunahme sowie eine verlängerte, aber unerquickliche Schlafzeit. Was heißt das im Einzelnen?

  • Am häufigsten wird über eine verminderte Aktivität geklagt, ausgelöst durch eine ständige Müdigkeit oder konkreter: eine undefinierbare Mattigkeit bzw. Energielosigkeit bis Schwäche (nicht allerdings das für schwere Depressionen charakteristische Elendigkeitsgefühl). Hier fallen dann auch manchmal die Fachbegriffe "Tagesmüdigkeit" oder "chronisches Müdigkeits-Syndrom", zwei Syndrome, die möglicherweise in der dunklen Jahreszeit auch durch eine Winter-Depression erklärt werden könnten.
  • So gut wie immer beklagt, wenngleich nicht unbedingt am stärksten belastend, ist eine Niedergeschlagenheit, die man eher als resigniert-schwunglos-deprimiert bezeichnet sollte, manchmal auch als ängstlich-deprimiert.
  • In diesem Zusammenhang wird auch oftmals zugegeben, dass man "irgendwie" unzufriedener, missgestimmter, sensibler, leichter verletzlich, ja missmutig, "schlecht gelaunt", "mürrisch", reizbar bis aggressiv zu werden droht. Das ist dann eine psychosozial besonders belastende Seite dieses Leidens, wobei man allerdings nicht jede schlechte Laune einer Depression zuschieben sollte.
  • Ein auf eigene Art "ärgerliches", wenngleich nicht so "tragischer" Aspekt ist der Appetit. Er gilt zwar nicht als Entscheidungskriterium (das ist der jahreszeitliche Ausbruch, nämlich Herbst und Winter), beeinträchtigt aber so gut wie immer. Und hier vor allem im Gegensatz zu den sonst gängigen Depressions-Formen eine Appetit-Zunahme. Üblicherweise irritieren die Depressionen mit Appetitlosigkeit und Gewichtsabfall, in der Regel mehrere Kilogramm. Das ist nebenbei ein Symptom, das noch am ehesten toleriert wird, bringt es den Betroffenen doch wenigstens seinem Normalgewicht näher. Bei der Winter-Depression aber ist es umgekehrt. Hier bleibt ein Kohlenhydrat-Heißhunger, vor allem auf Süßigkeiten, Teigwaren usw. nicht ohne Folgen (was manchmal eine zusätzliche Beeinträchtigung der Stimmungslage auslöst).
  • Und ein weiteres Symptom äußert sich geradezu im Gegensteil: der Schlaf. Man weiß: Der Depressive kann nicht schlafen, der Maniker braucht nicht zu schlafen, aber beiden tut dieses Schlaf-Defizit nicht gut. Ein Depressiver mit saisonal affektiver Störung hingegen kann schlafen, und zwar mehr als in gesunden Tagen. Allerdings wird dieser Schlaf als nicht so erquicklich und gemessen am Schlafquantum als wenig ergiebig bezeichnet. Interessanterweise vergleichen viele Patienten diesen Zustand ohnehin mit einer Art "Winterschlaf".
  • Auch die Libido ist manchmal vermindert (man spricht von der Hälfte bis Dreiviertel aller Betroffenen).
  • Und in psychosozialer Hinsicht häufen sich Probleme, die in der übrigen Jahreszeit keine so große Rolle spielen: zwischenmenschlich, d. h. partnerschaftlich, familiär, nachbarschaftlich und nicht zuletzt am Arbeitsplatz (wo man sich in der Regel die meiste Mühe gibt, seelische Probleme möglichst nicht "durchschlagen" zu lassen).
  • Ein letzter Aspekt, der bisweilen noch angedeutet wird, sind Probleme während der Monatsblutung oder in der Menopause, die sich im Rahmen einer Winterdepression noch verstärken sollen.
Was kann man tun?

Grundsätzlich sinnvoll ist ein täglicher "Gesundmarsch" bei Tageslicht, nicht unter einer halben Stunde und am besten als Stick- oder Nordic-Walking mit zwei Teleskop-Wanderstöcken (Gelenk-Entlastung, höherer Aktivitäts-"Ausbeute"). In mittelschweren Fällen ggf. eine Lichttherapie (allerdings unter fachärztlicher Kontrolle und nicht - wie immer häufiger - als Selbst-Behandlungsversuch). Und wenn eine medikamentöse Therapie notwendig wird, dann zuerst der Versuch mit Johanniskraut (900mg pro Tag), da dieses psychotrope Phytopharmakon bekanntlich eine sehr gute Licht-Utilisation hat oder ggf. mit einem synthetischen Antidepressivum, am besten aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren.

Autor:
Prof. Dr. Volker Faust
ZfP - Die Weissenau
Abteilung Psychiatrie I
der Universität Ulm
D-88214 Ravensburg-Weissenau

Telefon:(0751) 7601-2547
Telefax:(0751) 7601-2611
volker.faust@zfp-weissenau.de
www.volker-faust.de




  
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ZfP - Die Weissenau
Abteilung Psychiatrie I
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