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30.06.05 - Der Kassenchef ist begeistert von den Harrison-Konzepten

SZ-Interview (Winfried Leiprecht) mit Jörg Hempel. Der Kreistag stellt im Juli endgültig die Weichen für die Zukunft der Oberschwabenklinik. Eine wichtige Rolle im Hintergrund spielen die Krankenkassen. Im SZ-Interview sagt Jörg Hempel, Geschäftsführer der AOK Allgäu-Oberschwaben, erstmals öffentlich, was er von den Konzepten  von OSK-Chefin Dr. Elizabeth Harrison hält.

Wie finden Sie das Harrison-Konzept?
Hempel: Ich unterstütze es rundherum. Das Konzept ist wirklich einmalig. Ich habe so etwas in Baden-Württemberg noch nicht gesehen. Es ist eine intelligente Lösung, wie man der Bevölkerung im ländlichen Raum die stationäre Versorgung in ihrer Nähe erhält. Dass Schwerpunkte in Wangen und Ravensburg gebildet werden, ändert daran nichts. Patienten, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall in lebensbedrohlichem Zustand sind, werden schon heute an Leutkirch vorbei ins größere Krankenhaus gefahren. Wichtig ist, dass die Notfallversorgung an allen Standorten garantiert bleibt. Ich will, dass der Notfallpatient aus Friesenhofen genauso gut versorgt wird wie der in Fellbach.

Harrison will von 1130 OSK-Betten 197 abbauen. Reicht das aus?
Hempel: Es ist klar, dass die Kapazitäten nach unten angepasst werden müssen. Wie viele Betten rum stehen, ist aber zweitrangig. Wir diskutieren heute  nicht mehr vorrangig über Betten. Die Bettenzahl wird in fünf oder zehn Jahren gar keine Rolle mehr spielen. Wir reden über Leistungsmengen, Fallzahlen und das medizinische Spektrum. Das Krankenhaus mit guten Leistungszahlen hat Chancen und nicht das mit vielen Betten.

Wird das EK durch den Abbau von 100 Betten geschwächt? Oder wurde hier in  der Vergangenheit unwirtschaftlich gearbeitet?
Hempel: Gemessen an den Leistungsmengen werden wir das EK eher stärken. Es steht außer Frage, dass wir die Wirtschaftlichkeit erhöhen müssen. Die Frage des ambulanten Potenzials haben wir in der Vergangenheit lang und breit diskutiert. Jetzt wird es endlich realisiert! Es gibt  keinen medizinischen Kahlschlag. Die Leistung wird nur anders erbracht, so dass keine Hotelkosten entstehen.

Halten Sie ein Konzept für tragfähig, das für Isny und Leutkirch nur noch jeweils eine große Abteilung vorsieht?
Hempel: Wir müssen aufhören, Isny und Leutkirch als zwei Häuser zu betrachten. Das ist ein Standort, zwischen dem  17 Kilometer liegen.

Ziehen die Kassen bei einer Kurzzeitchirurgie in Leutkirch mit?
Hempel: Aus dem Stand heraus will ich solchen Plänen nicht widersprechen. Ambulantes Operieren mit einem niederschwelligen stationären Hintergrund müsste sich wunderbar organisieren lassen, selbst wenn das Haus vornehmlich Innere-Betten hat.

Medizinische Versorgungszentren sind für viele niedergelassene Ärzte, die Konkurrenz befürchten, ein Reizwort. Für Sie auch?
Hempel: Die MVZ kommen bei den Niedergelassenen zur Zeit emotional nicht gut an. Ich halte sie dennoch für sinnvoll. Bei den Ärzten spielt die Angst mit, dass nicht auf Augenhöhe verhandelt wird, dass der starke Partner Krankenhaus dominiert. Es geht nur im gegenseitigen  Vertrauen. Es ist nicht in erster Linie entscheidend, wie man ein MVZ rechtlich organisiert. Wichtig ist, dass das Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte im MVZ gemeinsam einem Versorgungsauftrag nachkommen. Dem Patienten ist es egal, aus welchem Topf die medizinische Leistung finanziert wird. Wenn ihm etwas fehlt, will er, dass ihm geholfen wird. Ein Ort, der diesen Ruf hat, wird akzeptiert. Das Krankenhaus ist in diesem Sinne besser als jeder andere Standort.

Reicht es aus, bei Kliniken nur den Landkreis im Blick zu haben?
Hempel: Wir müssen bei der Krankenhausplanung in der Region denken. Dazu gehören mindestens der Bodenseekreis und der nach Ravensburg orientierte Teil des Kreises Sigmaringen.

Stört es da, dass in Tettnang mit den Waldburg Zeil-Kliniken jetzt ein privater Träger einsteigt?
Hempel: Nein. Wir können mit öffentlichen wie mit privaten Trägern gut umgehen. Es war wichtig, dass die Klinik ein Träger übernimmt, der von hier kommt und in der Region Verantwortung trägt  und nicht jemand, der sonstwo sitzt.

Wie sicher sind Sie sich, dass es nicht in fünf Jahren eine neue Debatte um Isny und Leutkirch gibt?
Hempel: Wenn Ärzte und Bevölkerung das Konzept positiv annehmen, wird es in fünf Jahren keine Diskussion geben. Wenn nicht, dann werden die Standorte ein wirtschaftliches Ergebnis erzielen, das problematisch ist.

Die niedergelassenen Ärzte haben letzte Woche in Wangen beklagt, dass es an Kommunikation seitens der OSK-Chefin mangele.
Hempel: Was soll Frau Harrison in drei oder vier Monaten noch alles ausrichten? Wir haben 500 Ärzte, da kann sie nicht mit allen gleichzeitig reden. Wichtig ist, dass betriebsbedingte Kündigungen in der OSK keine Rolle mehr spielen. Das finde ich toll! Die alte Geschäftsführung ließ die Drohung wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Beschäftigten schweben.

Die Krankenkassen haben der OSK schon früher bei angedachten Strukturänderungen finanziell geholfen. Wie sieht es diesmal aus?
Hempel: Ich habe immer gesagt, dass wir den Prozess der Reorganisation unterstützend begleiten. Wir haben 2004 einen positiven Vertragsabschluss hinbekommen. Wir schaffen das auch 2005. Die Krankenkassen sind sicher gesprächsbereit, wenn es um das Verschieben von Budgets von einem OSK-Haus zum anderen geht. Wir haben allerdings gesetzliche Rahmenbedingungen, die den ländlichen Raum nicht gerade bevorzugen. Das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Leistungen“ sollte für die baden-württembergischen Krankenhäuser ab 2007 gelten. Die Politik hat es um weitere zwei Jahre hinausgeschoben. Die Politik fordert von den Kassen ständig Beitragssenkungen. Die AOK senkt den Satz jetzt um 0,1 Punkte. Wir müssen dies mühsam erwirtschaften und auf der Ausgabenseite entsprechend verantwortungsbewusst sein.

Wo würden wir heute stehen, wäre die OSK auseinander gebrochen?
Hempel: Wir würden über die Schließung der kleinen Standorte reden. Wir hätten das Problem bekommen, dass die Patienten aus den kleinen Häusern im Kreislauf des OSK-Verbundes fehlen würden. Das hätte für das EK existenzbedrohend werden können und Wangen große wirtschaftliche Schwierigkeiten bereitet.

Das Netzwerk Gesundheit bedankt sich bei der Schwäbischen Zeitung für die Abdruckgenehmigung!








AOK-Geschäftsführer Jörg Hempel. Foto: privat

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