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26.11.08 - Arthrose: Wenn die Karosserie nicht mehr richtig funktioniert

ISNY/LINDAU (kk) - Der Informationsabend rund um Schmerzen im Kniegelenk hat viele interessierte Zuhörer in die Inselhalle in Lindau gelockt. Sie haben schnell den Dialog mit den beiden Referenten Dr. Angela Kurz-Schießl und Dr. Thomas Wißmeyer vom Endoprothetikzentrum am Krankenhaus Isny gesucht.

Die Gelenkabnutzung im Knie ist eine der häufigsten Arthrosen. Dabei handelt es sich um eine Zerstörung des Gelenkknorpels. Das umliegende Gewebe ist meist auch beteiligt. Ursache ist in aller Regel eine altersbedingte Abnutzung. Hüft- und Kniegelenke tragen das gesamte Körpergewicht. Beim Laufen oder gar Treppensteigen wirken mitunter das vier- bis fünffache des Körpergewichtes auf das größte menschliche Gelenk. Ungünstig beeinflusst wird die Arthrose durch Körpergewicht, Beinfehlstellungen wie X- oder O-Beine sowie Überbelastungen. Für den Betroffenen ist die Arthrose schmerzhaft. Spannungsgefühl, Steifigkeit und Rötungen des Gelenkes deuten auf den Verschleiß hin. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt.

Eine eindeutige Diagnose kann mit einer Röntgenaufnahme gestellt werden. Sie macht den Knorpelschaden und eventuelle Veränderungen am Knochen sichtbar. Eine Heilung im Endstadium ist nicht möglich, da der abgenutzte Knorpel nicht wieder hergestellt werden kann. Nur die Symptome können gelindert werden. Im Anfangsstadium einer Arthrose können mit einer konservativen Therapie gute Erfolge erzielt werden. Zur Wahl stehen Muskelaufbau durch Krankengymnastik, Muskellockerung, Strom- oder Magnetfeldtherapie zur Entlastung des Gelenkes oder entzündungshemmende Präparate. Die Frage aus dem Publikum nach aufbauenden Spritzen ins Gelenk beantwortet Dr. Kurz-Schießl: "Eine Spritze beinhaltet immer die Gefahr einer Infektion, kann aber, einmalig gegeben, für einige Zeit helfen."

Ist der Verschleiß fortgeschritten, bietet die Medizin verschiedene operative Möglichkeiten. Bei einer Arthroskopie, also einer Gelenkspiegelung, kann der Knorpel geglättet oder zerstörte Meniskusanteile entfernt werden. Der Meniskus dient als Puffer zwischen Ober- und Unterschenkel. Auch eine Achsenkorrektur ist möglich. "Hierbei werden X- oder O-Beine korrigiert, um die einseitige Belastung des Knies zu beseitigen", sagt Dr. Kurz-Schießl.

"Ein künstlicher Gelenks- oder Oberflächenersatz sollte erst dann implantiert werden, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind", so die Expertin weiter. Zur Auswahl stehen Teilprothesen, die verschlissene Oberflächen des Kniegelenkes ersetzen oder ein kompletter Oberflächenersatz. Auch komplette künstliche Gelenke können implantiert werden. Die Entscheidung sollte der Patient nach Absprache mit dem Arzt treffen. Faktoren, die eine Rolle spielen, sind die persönliche Lebensplanung und das Ausmaß der Schmerzen. Die Veränderungen des Röntgenbildes geben Aufschluss, wie schnell der Verschleiß fortschreitet. Das Alter des Patienten an sich ist von untergeordneter Bedeutung. "Entscheidend ist die Vitalität und die Mobilität des Patienten. Selbst bei 85-Jährigen kommt eine Knieendoprothese in Betracht, wenn der allgemeine Gesundheitszustand dafürspricht", so Chefarzt Dr. Wißmeyer.

Alle Operationen dieser Art führen die Spezialisten mit Unterstützung der Computer-Navigation durch. Sie ermöglicht eine exakte Positionierung der Prothesen. Dadurch halten die Gelenke 15 bis 20 Jahre. "Es gibt nur zwei Gründe, ein künstliches Gelenk auszuwechseln: Lockerung oder Infektion", weiß Dr. Wißmeyer. Ein Eingriff dauert etwa 60 bis 100 Minuten. Im Krankenhaus in Isny beginnt die Nachbehandlung schon am Tag der OP. Das Gelenk wird mobilisiert. Nach nur einer Woche stationären Aufenthalts folgt eine dreiwöchige Reha-Maßnahme. Einig sind sich die beiden Ärzte dabei, dass mit künstlichem Gelenk die Lebensqualität und die Beweglichkeit gesteigert werden. Selbst moderates Sporttreiben ist wieder möglich.








Dr. Angela Kurz-Schießl geht intensiv auf die Fragen ihrer Zuhörer ein.

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