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26.11.08 - Herzklappenerkrankungen - Wenn die Ventile im Herzen defekt sind

WANGEN (kk) - Im Jahre 2007 hat die Oberschwaben Klinik 654 Patienten mit akutem Herzinfarkt betreut. Im Krankenhaus Wangen waren es 63. Neben dem Herzinfarkt gibt es jedoch noch andere Erkrankungen des Herzens. Dr. Jörg Maurus, Oberarzt am Krankenhaus Wangen, klärte in einem Vortrag über Herzklappenerkrankungen auf. Sie sind neben dem Bluthochdruck und koronaren Herzkrankheiten das dritthäufigste Krankheitsbild.

In der Bundesrepublik leben heute etwa 300.000 Menschen mit einer künstlichen Herzklappe. Jedes Jahr werden 40.000 Menschen operiert. Die Tendenz ist steigend. Grund ist die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung. "Fast jeder hat einen kleinen Fehler an der Herzklappe", sagt Dr. Maurus. Das belegen hochauflösende diagnostische Geräte. Doch nicht jeder Fehler muss zwangläufig behandelt werden. Maurus berichtet über Olympiasieger mit Herzklappenerkrankungen. Doch wann sollte man sich ernsthaft Sorgen machen?

Im wesentlichen unterscheidet man zwei Formen von Herzklappenfehlern: die Undichtigkeit der Klappe (Klappeninsuffizienz) und die Einengung der Klappe (Klappenstenose). "Die Klappen sind die Ventile des Herzens. Ihre Aufgabe besteht darin, das Blut in die richtige Richtung zu leiten und einen Rückfluss des Blutes zu verhindern", erklärt der Kardiologe. Dazu ist es notwendig, dass sie sich schnell vollständig öffnen und schließen können. Wie auch ein mechanisches Ventil unterliegen die Herzklappen einem Verschleiß. Aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung tritt das Krankheitsbild häufiger auf. Angeborene Herzklappenfehler sind dagegen höchst selten. Anzeichen für eine Erkrankung können eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit bei Belastung oder auch Wassereinlagerungen sein. Das sind durchaus keine außergewöhnlichen Symptome in fortgeschrittenem Alter. Doch Maurus warnt: "Schieben Sie nicht alles auf das Alter oder die Bronchien. Gerade weil es ein schleichender Abbauprozess ist, sollte man über diese Erkrankung gut informiert sein und sich selbst genau beobachten. Im Zweifelsfall gehen Sie rechtzeitig zu Ihrem Arzt." Beschwerden können sich durch Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit oder gar Herzrhythmusstörungen äußern.

Die Herzklappenfehler sind schnell und einfach ohne Belastung des Patienten zu diagnostizieren. Mit Ultraschall kann Art und Schwere eines Herzklappenfehlers festgestellt werden. Nur in seltenen Fällen muss der Patient im Herzkatheterlabor untersucht werden. Dann liegt meist noch eine andere Krankheit vor. Viel erfährt Dr. Maurus durch eine eingehende Befragung des Patienten.

Nicht jede Herzklappenerkrankung muss operiert werden. Durch Medikamente und bewusste Lebensführung, die eine ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung umfasst, können viele Beschwerden gemindert werden. Ist eine Operation unausweichlich, kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage. An erster Stelle steht die Wiederherstellung der erkrankten Klappe. "Was unser Herrgott gemacht hat, ist immer noch das Beste. Jeglicher Ersatz kommt dem nicht nahe", so Dr. Maurus. Dieser Eingriff sollte so früh wie möglich erfolgen, wenn die Abnutzungserscheinungen noch nicht so ausgeprägt sind. Bei einem Klappenersatz stehen künstliche und Klappen aus menschlichem sowie tierischem Gewebe zur Auswahl. Künstliche Klappen halten Jahrzehnte, wobei der Patient lebenslang blutverdünnende Medikamente einnehmen muss. Biologische Klappen unterliegen genauso dem Alterungsprozess und müssen nach etwa 15 Jahren ausgetauscht werden. Die Entscheidung müssen Patient und Arzt gemeinsam abwägen. Prinzipiell können Menschen auch mit 80 Jahren operiert werden. Entscheidend ist die körperliche Verfassung. 80-Jährige können so vital wie 60-Jährige sein", sagt Dr. Maurus.








Dr. Jörg Maurus (rechts am Pult) diskutiert mit einem Zuhörer.

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