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22.11.08 - Fötenbestattung: Trauer statt Geburt

RAVENSBURG (kk) - "Sich dem zu stellen, was Sie vor Wochen oder gar Monaten erlebt haben, muss für Sie sehr schwer sein." Pfarrer Udo Hermann richtet seine Worte an die Trauergäste in der Kapelle des Krankenhauses St. Elisabeth. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Trauerfeier. Die Anwesenden haben sich auf eine Geburt gefreut. Nun trauern sie um ihr Kind, das sterben musste, bevor es richtig gelebt hat.

Die Melodie, die auf der Querflöte gespielt wird, unterstreicht die melancholische Stimmung. Trauern, anstatt sich über das neugeborene Kind zu freuen - eine schwierige Situation. "Es ist gut, dass Sie den Weg ins EK gefunden haben. Gott lässt uns hoffen in unserem Leid und Schmerz",  sagt Hermann. Sein evangelischer Kollege Hermann Dippon zitiert aus dem Brief eines Vaters, der vor einiger Zeit sein ungeborenes Kind verloren hat: "Ein Mann kann sich nicht vollständig vorstellen, was eine Fehlgeburt für eine Frau bedeutet." Um so wichtiger ist es den beiden Krankenhauspfarrern, die Männer in die Trauerfeier mit einzubinden. "Es ist schwer zu begreifen, was geschehen ist. Sie haben ein Kind verloren, dass Sie noch nie in den Händen gehalten haben. So klein und doch ein vollständiger Mensch." Dippon ermutigte die anwesenden Paare: "Sprechen Sie Ihre Fragen, Ihren Zweifel und Ihre Schuldzuweisungen, so Sie welche haben, offen aus. Schweigen belastet Sie und Ihre Beziehung." Die Paare bräuchten Kraft, um gemeinsam diese schwere Situation zu verarbeiten. "Das Thema darf kein Tabu sein. Es muss heraus - heraus aus einem selbst, aber auch heraus aus der Tabuzone. Auch die Öffentlichkeit muss darüber informiert werden", so Dippon.

Gemeinsam macht sich die Trauergemeinde auf den Weg zum Ravensburger Hauptfriedhof. Dort wird der kleine Sarg mit den sterblichen Überresten der allzu früh verstorbenen Kinder beigesetzt. Auf dem Grabfeld mit den kleinen 22 Gräbern versammeln sich die Trauernden. Ergreifend, die Zeremonie, die sich hier abspielt. Die Eltern schaufeln das Grab selbst zu. Ein Ritual, dass insbesondere den Vätern hilft, die Trauer zu verarbeiten. Es scheint, als schaufelten sie sich förmlich die schwere Last von der Seele. Als Zeichen der Hoffnung stecken die Trauernden Blumenzwiebeln in die frische Graberde. Die Blumen werden im Frühjahr blühen. Dann, wenn die nächste Fötenbestattung stattfindet.








Pfarrer Udo Hermann (rechts) und Hermann Dippon setzten die all zu früh verstorbenen Kinder bei.

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