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28.10.08 - Ärzte lernen von einem Piloten

WANGEN (kk) - Was können Ärzte für ihre Arbeit von einem Piloten lernen? Flugkapitän Eugen H. Buehle hat bei einer Fortbildungsveranstaltung im Wangener Rathaussaal seine Zuhörer überrascht, wie viele Parallelen bei beiden Berufen existieren. In der Fugzeugkanzel wie im OP gehe es um hochkomplexe Arbeitsplätze und um die Verantwortung für Menschenleben. Professor Dr. Hans Jörg Steinhardt hat diese Schulung organisiert. Sein Anliegen war es, das ärztliche Aufgabenfeld von einem Außenstehenden durchleuchten zu lassen.

Der erfahrene Flugkapitän der Lufthansa wollte eigentlich Chirurg werden, landete dann aber doch im Cockpit. Als vor Jahren ein befreundeter Arzt anfragte, die Abläufe seiner Abteilung zu analysieren, zögerte er noch. Mittlerweile berät Buehle mehrere Krankenhäuser. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand der menschliche Faktor.  "Der Mensch ist fehleranfällig", lautete Buehles These. Er sei für 75 Prozent aller Unfälle verantwortlich. Sowohl in der Luftfahrt wie auch in der Medizin kann jeder Fehler Menschenleben kosten. "Wir alle müssen die größtmögliche Sicherheit für die uns anvertrauten Menschen bieten!", forderte Buehle. Eine weitere verblüffende Aussage: "Fliegen oder Operieren kann jeder lernen. Das sind Grundlagen unserer Berufe. Wir müssen lernen, Risiken und unerwartet auftretende Situationen zu beherrschen. Hier gilt es anzusetzen"“ Piloten lernen das Fliegen in Simulatoren. Hier stieß Buehle auf Widerrede: "Die Biologie eines Menschen ist komplexer, variabler und nicht berechenbar wie die Fliegerei. Wir können nur bedingt an Modellen Simulationen fahren", so ein Arzt aus dem Publikum. In der Medizin gilt es, Wissen und Erfahrung an jüngere Kollegen weitergeben.

Bei der Lufthansa werden jeder Flugunfall und jede kleinste Panne anonym analysiert und ausgewertet. Ursache ist fast immer der Faktor Mensch. Doch wie kann man menschliche Fehler vermeiden? Buehle ist seit Jahren mitverantwortlich für die Flugsicherheit der Lufthansa. Die Fluggesellschaft gilt als eine der sichersten der Welt. Umfangreiche Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass neben der fachlichen vor allen Dingen die soziale Komponente der Erfolgsfaktor ist. Die optimale Hierarchie und die bestmögliche Zusammensetzung des Teams wurden erforscht. Rund die Hälfte aller Fehler sind auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen. Chefs sind gefordert, das soziale Umfeld so zu gestalten, dass eine reibungslose, berufsübergreifende und gleichberechtigte Kommunikation im Team möglich ist", so Buehle. Stresssituationen fordern die ganze Mannschaft, nicht nur den Piloten. Im Notfall müssen alle Beteiligten in der Lage sein, mit dieser Schwierigkeit fertig zu werden. Wie bei einem rund laufenden Motor müssten alle Zahnräder ineinander greifen - vom größten bis zum kleinsten. Und das gilt nicht nur im Flugzeug sondern auch im OP. Der Pilot, der sich im Vorfeld eingehend mit der Oberschwaben Klinik beschäftigt hat, attestiert dem Klinikverbund ein hohes medizinisches Ausbildungsniveau und ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken. Abschließend sagte Buehle: "Qualität setzt sich durch. Davon bin ich überzeugt."

Dr. Elizabeth Harrison zeigte sich beeindruckt von dem Vortrag. Den Ansatz, den Menschen mit seiner Sozialkompetenz als Erfolgsfaktor zu sehen, bezeichnete die Geschäftsführerin der OSK als "Revolution im Denken". Professor Steinhardt erklärte, einige Anregungen umsetzen zu wollen. "Die Medizin kann viel von Piloten lernen. Dadurch verbessert sich die Betreuung der Patienten. Und nicht zuletzt lässt sich durch diese Vorgehensweise Geld einsparen", so Steinhardt.








Prof. Dr. Hans Jörg Steinhardt und Flugkapitän Eugen H. Buehle

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