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19.09.08 - Nun klopfen auch die Japaner an der Tür des LKW-Experten

RAVENSBURG (kk) - Dr. Rainer Zinser ist anerkannter Experte in Sachen LKW-Rettung. Als Arzt hat er die Rettung von Unfallopfern aus den Fahrerkabinen erheblich verbessert. Zahlreiche Feuerwehren hat er bereits geschult. Nach deutschen Feuerwehren klopft nun auch die japanische Automobilforschung an seiner Tür. Ein erstes Treffen hat nun in Stuttgart stattgefunden.

LKW-Fahrer fühlen sich in dem Fahrerhaus ihres schweren Fahrzeuges sicher. "Das ist ein Irrtum", sagt Dr. Zinser. Der Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg beschäftigt sich seit 1999 Jahren intensiv mit LKW-Unfällen. Er analysierte zahlreiche Unglücke und erstellte Verletzungsmuster der Insassen. Sein Ziel ist die patientengerechte Unfallrettung aus LKW-Kabinen. Sie dient als Grundlage für einen optimalen Rettungsablauf. Das Problem bei LKW-Unfällen sind meist eingeklemmte Beine des Fahrers. Die Verletzten sollten so schnell als möglich in ein Krankenhaus, das auf Fälle dieser Art spezialisiert ist, kommen. Dank seiner Studien konnte die Rettungszeit der Unfallopfer um sagenhafte 30 Minuten verkürzt werden. "Läuft alles reibungslos, haben wir den LKW-Fahrer in nur 20 Minuten befreit. Je kürzer die Unterbrechung der Durchblutung der Beine ist, desto weniger Komplikationen treten auf", weiß Dr. Zinser aus seiner täglichen Praxis als Unfallchirurg. "Der Patient sollte innerhalb von 60 Minuten in einer Spezialklinik sein. Wir sprechen von der goldenen Stunde." Aber auch bei anderen Verletzungen kann jede Minute Leben retten.

Als Dr. Zinser sein Projekt initiierte, fand er sofort Unterstützung bei Markus Egelhaaf von der DEKRA in Stuttgart. Der Ingenieur arbeitet in der Unfallforschung. Kontakte zu Mercedes Benz und MAN lieferten Daten für Zinsers Studien. Die Ergebnisse flossen in einem von ihm und drei anderen Experten geschriebenen Buch ein. Dieser Rettungsleitfaden gilt als Standardwerk der LKW-Rettung. Beide namhaften LKW-Hersteller haben Zinsers Erkenntnisse in ihre Konstruktionen einfließen lassen. Für die Feuerwehren haben sie ebenfalls Handbücher verfasst, die das optimale Öffnen der Fahrerkabinen beschreiben. Anfänglichen Widerstand spürte Dr. Zinser seitens der Feuerwehren. "Ich als Arzt wollte erfahrenen Feuerwehrleuten erklären, wie sie am besten eine Fahrerkabine auftrennen. Da musste ich einige Überzeugungsarbeit leisten. Aber nachdem ich den Feuerwehrmännern die richtige Erklärung geliefert habe, haben sie meine Anregungen dankbar übernommen", erinnert sich Dr. Zinser. Mittlerweile ist er als führender Experte anerkannt. Durch Vorträge und Beiträge in Fachzeitschriften hat sich der Unfallchirurg auch in Feuerwehrkreisen einen Namen gemacht. Seine Methode ist sicher, schonend und schnell. Dabei bedient er sich pragmatischen Lösungen, die einfach, aber genial sind. Für dieses Expertenwissen interessiert sich nun auch die japanische Forschung.

Yoshihiro Sukegawa ist Projektmanager bei JARI, einem japanischen Institut in der Automobilforschung. Sein Auftrag ist es, Leitlinien zu erarbeiten, die die Rettung schneller und sicherer machen. Dr. Zinser hat solche Leitlinien schon erarbeitet. Auf seinem Weg zu einem Kongress in Paris machte Sukegawa einen Zwischenstopp in Stuttgart, um mit dem deutschen Experten Erfahrungen auszutauschen. Nach den Präsentationen von Sukegawa und Dr. Zinser offenbarte sich, dass die Japaner Jahre hinter dem Wissensstand ihrer deutschen Kollegen hinterherhinken. Sukegawa zeigte sich stark beeindruckt von Zinsers Know-how. Unterstützt wurde dieser durch den Ingenieur Egelhaaf. Als freiwilliger Feuerwehrmann konnte er aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Zinsers Methode greift: "Mit nur zwei Schnitten trennen wir jeden europäischen LKW innerhalb kürzester Zeit auf." Wie die weitere Zusammenarbeit mit den Japanern aussieht, steht noch in den Sternen. Fest steht allerdings eine Einladung nach Schweden. Selbst die Vorreiter in Sachen Sicherheit in der Automobilbranche sind auf Dr. Rainer Zinser aufmerksam geworden.

Bild:
In der integrierten Leitstelle in Bad Cannstatt informierte sich Yoshihiro Sukegawa über den Standard deutscher Rettungskräfte. Zwei Grundlegende Werkzeuge der Rettung, hydraulische Schere und Presse, probierte er unter fachmännischer Anleitung von Dr. Rainer Zinser und Markus Egelhaaf (links) aus.










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