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19.08.08 - Lena wird bald greifen können

RAVENSBURG (kk) - In einer sechsstündigen Operation wurde einem eineinhalbjährigem Mädchen von Professor Dr. Hermann Krimmer und seinem Team im EK eine eigene Zehe an die Hand transplantiert. Der Leiter des Ravensburger Zentrums für Handchirurgie ist zuversichtlich: "Bisher gab es keinerlei Komplikationen. Ich bin sicher, dass das Kind mit seiner linken Hand bald greifen kann."

Lena (Name geändert) hatte bei ihrer Geburt an ihrer linken Hand keine Finger. Sie war nur ein Stumpf mit sogenannten Knospen, stummelartigen Fingeransätzen. Lenas rechte Hand ist normal ausgeprägt. Sie leidet an einer seltenen kindlichen Fehlbildung. Experten gehen in Deutschland von jährlich etwa 10 Fällen dieser Art aus. Grund dieser Fehlbildungen sind Störungen in der Entwicklungsphase in den ersten sechs Wochen der Schwangerschaft.

"Für die geistige Entwicklung dieser Kinder ist es wichtig, möglichst früh einen Eingriff vorzunehmen, um eine Greiffunktion zu gewährleisten" erklärt Krimmer. Kinder erforschen ihr Umfeld mit den Händen, sie "begreifen" mit ihren Händen. Das Durchschnittsalter der Kinder, bei denen bisher eine Zehenübertragung vorgenommen wurde, liegt zwischen drei und vier Jahren. Obwohl Lena erst eineinhalb Jahre alt ist, entschloss sich Professor Krimmer bereits jetzt zu dieser Zehentransplantation. Und das, obwohl Lenas Blutgefäße nur einen Durchmesser von einem bis 1,5 Millimeter aufweisen.

Operationen dieser Art sind absolut selten und nicht standardisiert. Fehlbildungen variieren individuell. Die Erfahrung des Operateurs bestimmt die Art der Operation. Bereits im Alter von vier Monaten operierte der Ravensburger Handchirurg das Mädchen. Damals nahm er ein Knochenstück aus ihrem Fuß und implantierte es an der Hand an der Stelle des Daumens. Dieser Fingerersatz ist mittlerweile gut mitgewachsen.

In dieser zweiten OP wurde Lena nun ein zweiter "Finger" transplantiert. Dieser ermöglicht eine Greiffunktion, ähnlich einer Zange. Professor Krimmer verwendete dafür Lenas zweite Zehe. Das Fehlen diese Zehe neben der Großzehe hat später keinen Einfluss auf ihr Gehverhalten. Sie wird ganz normal laufen können. Das Verwenden von körpereigenem Gewebe hat Vorteile. Hier werden eigenes Knochenmaterial, Sehnen, Blutgefäße und Nerven verpflanzt. So kann es zu keinerlei Abstoßreaktionen oder Infektionen kommen. Die Greiffunktion kann mit einer künstlichen Prothese nicht erreicht werden. Und vor allen Dingen entwickelt der Finger ein normales Gefühl mit Tastempfinden. Blutgefäße, Sehnen und Nerven sind bei einem Kleinkind sehr filigran. Das macht den Eingriff anspruchsvoll. Unter dem Mikroskop fügte Professor Krimmer alles exakt zusammen.

Auch für die Anästhesisten von Professor Dr. Klaus Ellinger waren die Anforderung keineswegs alltäglich. Die Dosierung der Narkosemittel müssen exakt auf den kleinen Organismus abgestimmt werden. Besonders wichtig bei einem so langen Eingriff sind Wärmehaushalt und die Flüssigkeitstherapie. Den Eingriff hatte Lena so gut überstanden, dass sie nach dem Aufwachraum direkt in das Kinderkrankenhaus verlegt werden konnte. Nach einer Woche konnten sie Ihre Eltern mit nach Hause nehmen.

Lenas Hand wird niemals wie eine normale Hand aussehen oder funktionieren. Aber sie wird in der Lage sein, Dinge greifen zu können. "Durch das Bewältigen von Alltagssituationen gewinnt sie an Lebensqualität", so Krimmer.

Bild:
Die kleine Lena freut sich, dass sie mit ihrer Mutter wieder nach Hause darf. Professor Dr. Hermann Krimmer gab grünes Licht.










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