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23.06.08 - Symposium beim Landesfeuerwehrtag

RAVENSBURG (wil) - Sicher, schonend, schnell. Die drei großen "s" zogen sich wie ein roter Faden durch das Symposium "Rettung bei Lkw- und Transporterunfällen" im Rahmen des Landesfeuerwehrtages in Ravensburg. Für einen Verletzten kann es lebensrettend sein, wenn das Zusammenspiel zwischen Feuerwehr und Notarzt am Unfallort optimal klappt. Diesem Ziel diente die Ravensburger Veranstaltung.

Dr. Rainer Zinser, Oberarzt der Unfallchirurgie am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg und bundesweit einer der führenden medizinischen Experten zu Fragen der Rettung von Lkw- und Transportinsassen, sprach von der "Goldenen Stunde" nach einem Unfall. Innerhalb einer Stunde sollten die Schwerverletzten in einer geeigneten Klinik, am besten einem Traumazentrum, im Operationssaal liegen. Alle drei Minuten, um die sich die Rettungskette nach dieser "goldenen Stunde" verlängert, steigt das Sterberisiko statistisch um ein Prozent an, erläuterte Dr. Zinser den 300 Feuerwehrleuten und Angehörigen von Rettungsdiensten. Die "goldene Stunde" ist knapp bemessen. 15 Minuten sind zu veranschlagen, bis die Rettungsdienste an einer Unfallstelle eintreffen. Etwa zehn Minuten dauert es, bis sie sich ein Bild von der Lage gemacht und ihr Gerät in Position gebracht haben. Unterstellt, für den Transport eines Verletzten in die Klinik brauchen Rettungswagen oder Hubschrauber nochmals 15 Minuten, so stehen für die Bergung und Erstversorgung nur noch 20 Minuten zur Verfügung.

"Der Faktor Zeit ist entscheidend", betonte Dr. Zinser. Der Notarzt könne und dürfe nicht warten, bis die Feuerwehr ihre Arbeit erledigt hat. "Wir müssen die technische und die medizinische Rettung eng miteinander verzahnen!" Notarzt und Feuerwehr müssten an den Verletzten herankommen. An Beispielen demonstrierte er, wie die Feuerwehr durch den Einsatz gezielter Techniken, um ein Führerhaus zu öffnen oder aufzuschneiden, dem Notarzt den richtigen Zugang schaffen können. Lebensrettende Maßnahmen wie das Freimachen der Atemwege oder das Stabilisieren des Kreislaufs kann der Arzt dann bereits ergreifen, während das Unfallopfer noch auf seinem Sitz verharren muss.
Ein Schlüsselerlebnis war für Dr. Zinser ein Unfall Anfang 2001 auf der Autobahn bei Ludwighafen, wo er damals als Unfallchirurg arbeitete. Drei Stunden arbeiteten die Rettungskräfte, bis sie den Fahrer befreit hatten. 20 Operationen musste der Mann anschießend über sich ergehen lassen. 150 Tage lang lag er in der Klinik, davon 60 Tage auf der Intensivstation. Der Arzt erkannte, dass bei der Lkw-Rettung dringend etwas verbessert werden muss.
"Plötzlich stand Dr. Zinser bei uns in der Tür und sagte: Ihr vergesst immer die Notärzte!", berichtete beim Ravensburger Symposium Diplomingenieur Kay Morschheuser von der Daimler AG aus Stuttgart. Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen Arzt, Feuerwehren und Lkw-Herstellern mit dem Ziel, Wege zu finden, wie sich die Rettung verunglückter Fahrer verbessern lässt. 2003, nachdem Dr. Zinser ans EK gewechselt war, fand in Ravensburg eine große Rettungsübung statt, die mittlerweile zur alljährlichen Einrichtung geworden ist. Schauplatz war zuletzt 2007 der Nürburgring.
Experten der Daimler AG und der MAN Nutzfahrzeuge AG aus München berichteten beim Landesfeuerwehrtag, was sich die Hersteller zur Erhöhung der Sicherheit und der Abmilderung von Unfallfolgen alles einfallen lassen. Es gibt Lösungen, um die Kräfte zu absorbieren, die bei einem Unfall auf eine Fahrerkabine wirken. Es gibt hoch technisierte Assistenzsysteme für die Fahrer wie Abstandsradar oder eine Fahrbahnranderkennung. Der Ausstattungsrad der Lastwagen mit solchen System ist aber noch relativ gering, bedauerte Morschheuser. Und physikalische Gesetzmäßigkeiten bei einem Unfall können auch die elektronischen Helfer nicht aufheben.
Mercedes und MAN haben mittlerweile für die Feuerwehren einen Rettungsleitfaden aufgelegt. Die Feuerwehrleute können sich an der Unfallstelle rasch ein Bild verschaffen, mit was für einem Fahrzeugtyp sie es zu tun haben. Dr. Stefan Guserle von MAN empfahl den Feuerwehren die Zwei-Schnitt-Methode als marken- und baujahrübergreifend zuverlässigen Weg, um an verunglückte Fahrer heranzukommen. Frank Bohm, Brandinspektor bei der Berufsfeuerwehr Luwigshafen, meinte: "50 Prozent macht das Gerät auch - aber 50 Prozent auch der Geräteführer." Einer seiner vielen Tipps aus der Praxis: Nach einem Unfall im Stau sehen, ob dort ein Lkw vom gleichen Typ wie der verunglückte steht. Dessen Fahrer dann als "Fachberater" hinzuziehen, da er sich mit den vielen Schaltern in einer Fahrerkabine wesentlich besser auskennt als die Feuerwehr.
Um Feuerwehrleute aus ganz Baden-Württemberg an ihren Geräten fit für die Lkw- und Transporterrettung zu machen, waren für das Symposium hinter der Oberschwabenhalle Dutzende von Führerhäusern verschiedener Hersteller aufgebaut. Unter der Anleitung erfahrener Feuerwehrtrainer und von Notarzt Dr. Zinser setzten die Teilnehmer des Symposiums in der Praxis sofort das zum, was sie zuvor in den Vorträgen erfahren hatten.













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