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22.04.08 - Sucht statt Freiheit und Abenteuer

RAVENSBURG/MARKDORF (kk) - Was haben Drogen und Sucht mit mir zu tun? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit "SehnSucht", ein Projekt  der Realschule Markdorf. 84 Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse hat Professor Dr. Günther J. Wiedemann in Krankenhaus St. Elisabeth nach Ravensburg eingeladen. Seine These lautet klar verständlich: "Sucht statt Freiheit und Abenteuer". Tief beeindruckt haben sich die Schüler gezeigt, als eine todkranke Krebspatientin im Rollstuhl sitzend ihren Leidensweg erzählt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Torben Faust, dem 14-jährigen Sohn des Direktors Medizin und Behandlung der OSK. Torben bezeichnet sich als "bekennender Nichtraucher von Kindes Beinen an". Weder er noch Professor Wiedemann verurteilen Raucher. "Raucher sind nicht blöd. Sie sind wie ein Fisch im Netz in die Sucht hineingeraten", vergleicht Wiedemann. Beide wollen, dass Jugendliche gesünder leben. "Wir wollen den Rauchern ihre Lunge wieder zurückgeben." Wiedemann weiß als Leiter des onkologischen Schwerpunkts am EK, wovon er spricht. Er kennt die Krebserkrankungen von Rauchern.

Die Sucht beginnt meist mit der ersten Zigarette. Und die wird immer früher von Jugendlichen geraucht. Das hat auch Heinz Kulmus, Lehrer an der Realschule festgestellt. Er und die Projektleiterin Erika Pailer führen diese Projektwoche nun mit 13-Jährigen durch. Früher war es Thema in der 9. Klasse. "In dem Alter ist es zu spät. Da rauchen schon zu viele, so Kulmus. Die Statistik belegt seine Aussage. Mit 13 Jahren greifen 8,5 Prozent der Jungen und 7,8 Prozent der Mädchen zur Zigarette. Mit 15 Jahren raucht bereits jeder vierte Junge und jedes dritte Mädchen.

Auf die Frage Torbens, wer von den Schülern raucht, bekennen sich nur fünf zum Nikotinmissbrauch. Aber warum fängt man eigentlich an? Es ist meist der Zwang der Gruppe und die Angst, ausgeschlossen zu werden. Wiedemann rät, stark zu bleiben. Der Spaß am Rauchen hört schnell auf. Ein langer Leidensweg beginnt. Wiedemann gibt zu, dass Rauchen etwas Verführerisches hat. Die "heimtückische Werbung" verstärke das Verlangen. Doch er warnt: "Die Sucht bedeutet Abhängigkeit." Nikotin ist verantwortlich für diesen Verlust des eigenen Willens. Sachlich erklärt er die biologischen Zusammenhänge ohne belehrend zu sein. Er trifft die Sprache der Jugendlichen. "Küsse von Rauchern schmecken nicht", so habe er gehört. An die Mädchen im Saal gewandt, empfiehlt er: "Nehmt Euch einen Nichtraucher als Freund. Rauchen macht impotent." Seine Sprüche lockern auf. Doch die Jugendlichen sind nachdenklich. Sie machen sich Sorgen um Mutter, Vater, Onkel. "Ist mein Vater süchtig, wenn er zwei bis drei Zigaretten am Tag raucht?", so eine Frage aus dem Publikum. Wiedemanns Antwort lässt keinen Zweifel offen: "Wenn er nicht süchtig wäre, könnte er sofort damit aufhören." Lehrer Kulmus kennt diese Fragen. Diese Projektwoche macht seine Schüler betroffen. Sie werden zum Nachdenken angeregt.

Als eine Patientin im Rollstuhl in den Raum geschoben wird, kehrt absolute Stille ein. Sie war 16, als sie mit dem Rauchen angefangen hat. Fünf Jahre, nachdem sie mit dem Rauchen aufgehört hatte, erkrankte sie an Lungenkrebs. "Unheilbar" lautete die Diagnose für die damals 40-Jährige. Als sie ihr Martyrium schildert, zeigen sich die Jugendlichen sehr bewegt. Ihr Leben ist sehr eingeschränkt. Bereits dreimal hat sie alle Haare verloren. Sie ist an den Rollstuhl gefesselt. Die Jugendlichen sitzen einer Frau gegenüber, die ganz genau weiß, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben hat. Es sind nur noch Wochen. Ihre Tochter ist gerade mal 18 Jahre alt. "Ich werde nie erfahren, ob ich Oma geworden wäre", gesteht sie wehmütig.

Bild:
Professor Dr. med. Günther J. Wiedemann und eine todkranke Krebspatientin klären 84 Schüler der Realschule Markdorf über die Folgen der Sucht Rauchen auf.










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