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14.04.08 - Diagnose Brustkrebs mit 47

RAVENSBURG (uk) - Ulrike Karl hat vor 13 Jahren erfahren, dass sie Krebs hat. Doch ihr Geist weigerte sich, es zu verstehen. Wochenlang konnte oder wollte sie nicht begreifen. "Krebs - das trifft andere, aber nicht mich", meinte Ulrike Karl. Selbst nachdem der Knoten in ihrer Brust entfernt war, konnte sie die Diagnose noch immer nicht fassen. "Alles war wie in Watte gepackt, nichts war gedanklich greifbar. Ich hatte so viele Fragen, aber ich bekam nur Mitleid zu spüren. Aber damit konnte ich nichts anfangen. Ich wollte Antworten auf meine Fragen!"

Das Verstehen kam erst während der Chemotherapie. Ein Blackout hatte sie flachgelegt. "Mir war es schon den ganzen Tag übel und ich dachte "so, Chemo lässt grüßen". Es war aber ein ganz anderes Gefühl von Übelkeit. Ich konnte mir nicht erklären, wie ich ins Bad kam, als ich mich dort total verheult und mit Schmerzen in den Handgelenken und Knien wiederfand", erinnert sie sich. Während ihr Geist weggetreten war, hat ihr Unterbewusstsein die Diagnose Krebs verarbeitet. Sie ging früh zu Bett, konnte tief und fest schlafen und fühlte sich am anderen Morgen topp fit. Tage später wurde die Sache geklärt. "Ich hatte nämlich vor dem Blackout telefoniert und musste da schon fast weg gewesen sein. Nach dem Vorfall ging es mir um einiges besser. Ich konnte gedanklich wieder "fassen" und mich mit dem Krebs bewusst auseinander setzen", erklärt Ulrike Karl.

"Natürlich gab es auch weiterhin Phasen, in denen ich tief unten war. Aber ich konnte leichter damit umgehen. Ich machte die ganze Schulmedizin mit. Mein Hausarzt ließ auch die Naturheilkunde mit einfließen", beschreibt sie ihren langen Weg. "Ich lernte, NEIN zu sagen, vor allem im Beruf. Wenn auch die Kollegen meinten, der Krebs sei vorbei und ich müsste wieder funktionieren wie vorher. Der Freundeskreis lernte, Absagen zu akzeptieren. Man funktioniert nicht mehr so wie vor Krebs. Eine schwere Erkrankung ist auch eine Chance, sein Leben neu zu gestalten und bewusster zu leben."

Ihre Fragen waren aber immer noch nicht beantwortet. Sie schwor sich, dass sie eine Gruppe gründen werde. Ihre Fragen waren auch die von anderen. Davon war sie überzeugt. Genau da wollte sie ansetzen. Nur wie? Durch Zufall kam sie mit der "Frauenselbsthilfe nach Krebs" in Kontakt. Die damalige Gruppenleiterin suchte eine Nachfolgerin. Ulrike Karl hat es sich fast ein Jahr überlegt. Mit zwei anderen Betroffenen im Alter von 34 und 36 Jahren hat sie dann die Gruppe übernommen. "Am 1. Januar 1998 packten wir die Sache an. Wir wollten die Gruppe ganz anders gestalten und hatten 1.000 Ideen", begründet sie ihren Entschluss. Leider stand sie nach einem dreiviertel Jahr als Einzige da. Beide junge Frauen bekamen Rezidive, ihr Krebs kehrte wieder zurück. "Ich war total geschockt und stürzte in eine Krise. "Warum?" kreiste es mir immer wieder durch den Kopf." Ein Rückschlag für Ulrike Karl. Sie hat sie sich die Frage erst nach einiger Zeit beantworten können. "Ich habe gelernt, mit meiner eigenen Erkrankung und der Erkrankung anderer umzugehen", bekennt sie. Sie war auf Schulungen und Tagungen und hat sich entsprechende Literatur besorgt. In den über 10 Jahren lernte sie viele Frauen, und auch Männer, mit den unterschiedlichsten Krebserkrankungen kennen. "Es ging oft gar nicht so sehr um den Krebs an sich als vielmehr darum, wie gehe ich damit um und was kann ich tun. Das soziale Umfeld, der Partner, die Kinder, der Freundeskreis, die Psyche, Beruf und die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung der Erkrankung", beschreibt Ulrike Karl ihre Erfahrungen.

Bei den monatlichen Gesprächsnachmittagen von "Frauenselbsthilfe nach Krebs" werden diese Themen besprochen, Informationen ausgetauscht und Tipps gegeben. "Wir trösten und machen einander Mut", erzählt sie. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Letztendlich muss aber jeder den für sich besten Lebensweg wählen. Die Gruppe unterstützt dabei. Oft besteht eine Hemmschwelle, die manchmal schwer zu überschreiten ist. Deshalb werden auch Einzelgespräche angeboten. Professor Dr. med. Frank Stoz, Leiter der Frauenklinik und des Brustzentrums Oberschwaben, organisierte für die Gesprächsnachmittage ein Zimmer im EK. Durch die räumliche Nähe zu dem Fachmann können bei Bedarf auch medizinische Fragen fundiert beantwortet werden.

"Krebs darf in der heutigen Zeit kein Tabuthema mehr sein", fordert Ulrike Karl. Eine umfassende Krebstherapie beinhaltet für sie Schulmedizin und als unterstützende Maßnahmen Naturheilkunde, Psycho-Onkologie und Austausch in Gesprächen bei Gruppennachmittagen der Frauenselbsthilfe. "Heute, 13 Jahre nach dem Schock, bin ich der festen Überzeugung, dass selbst mit der Diagnose Krebs ein lebenswertes und zufriedenes Leben möglich ist", fasst Ulrike Karl ihren Lebensweg zusammen.

Information:
Die Frauenselbsthilfe nach Krebs trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 16:00 Uhr im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg. Betroffene, Angehörige und Partner sind gerne willkommen. Die Termine stehen auf der Homepage der Oberschwaben Klinik: www.oberschwabenklinik.de
Sie erreichen Ulrike Karl unter 0160/1722307.








Ulrike Karl

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