StartseiteStadt Aulendorf Bad WurzachBad Waldsee
StartseitePartner AOK Allgäu OberschwabenWilhelmsdorfWolfeggLeutkirchWeingartenRavensburg
Wangen im AllgäuIsny im Allgäu
  ...  |  Presse und Medien  |  Kontakt + Impressum
<< ZURÜCK ZUR STARTSEITE

08.04.08 - EK hilft verletzten Kindern aus Afghanistan

RAVENSBURG (kk) - Im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg sind zwei Kinder aus Afghanistan medizinisch versorgt worden. Rashid (2 Jahre) und Nahib (10 Jahre) sollen schon bald wieder zu ihren Eltern zurückkehren können. Die Hilfsaktion "Kinder brauchen uns e.V." hat den Krankenhausaufenthalt im EK organisiert. Der Verein hilft schwer kranken und verletzten Kindern, denen in Afghanistan nicht geholfen werden kann, eine medizinische Behandlung in Deutschland zu ermöglichen. Die Oberschwaben Klinik übernimmt die Kosten der Behandlung.

Am 20. Februar sind die beiden Jungen im Krankenhaus St. Elisabeth angekommen. Nahib stammt aus Kabul, Rashid aus dem Panjirtal am Hindukusch. Dr. Günther Waßmer, Oberarzt der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie, untersuchte die beiden umgehend. Der kleine Rashid trug einen Becken-Bein-Gips. Der Gips zeigte schon Spuren von Schimmel. Keiner wusste, wie lange das Kind den Gips schon getragen hat. Der 10-jährige Nahib hatte eine eiternde Wunde am Beckenkamm. Die Diagnose war im ersten Moment völlig unklar. Befunde aus Afghanistan halfen nicht weiter. Die Röntgenaufnahmen waren von schlechter Qualität, das Datum fehlte komplett. Auch in den schriftlichen Unterlagen konnte Dr. Waßmer nichts Aussagekräftiges entnehmen.

Am nächsten Tag wurde Rashids Gips entfernt und das Bein geröntgt. Die Aufnahme ergab, dass ein Oberschenkelbruch nicht zusammengewachsen war, was bei Kindern absolut selten ist. Das Bein war zwei Zentimeter kürzer als das andere. Waßmer schätzt, dass die Verletzung vor etwa sechs bis 12 Monaten erfolgt sein muss. Über die Ursache der Verletzung lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Eine verheilte Narbe am Oberschenkel lässt auf einen offenen Bruch schließen. Doch auch eine Schussverletzung oder Splitter von Minen oder Bomben kommen nach Einschätzung des Oberarztes in Frage.

Bereits am 25. Februar wurde Rashid operiert. Dr. Waßmer stabilisierte das Bein mit einer Platte, die mit den Bruchenden verschraubt wurde. Nach drei Tagen in der Kinderklinik konnte Rashid zu seiner Gastfamilie im Raum Ravensburg, mit der er über Ostern nach Frankreich ans Meer gefahren ist. Mit dem Heilungsverlauf ist Dr. Waßmer zufrieden. Das Bein ist nur noch 1 cm kürzer. Am heutigen Dienstag war Rashid zu einer Kontrolluntersuchung im EK. Laut Aussagen seiner Gastmutter ist der Kleine vollkommen schmerzfrei. Dr. Waßmer ist mit dem bisherigen Heilungsverlauf sehr zufrieden. Die Narbe ist sehr gut verheilt. Das Bein ist viel beweglicher. Auf dem Röntgenbild kann man erkennen, dass sich neue Knochensubstanz bildet. Rashid darf nun sein Bein voll belasten und herumtollen, wie andere Kinder auch. In vier Wochen wird Rashid erneut von Dr. Waßmer untersucht.

Nahib wies eine kleine offene Wunde am Beckenkamm auf. Eine direkte Verletzung am Becken war nicht zu erkennen. Nach genauerer Untersuchung wurde bei ihm eine eiternde Entzündung des Beckenknochens festgestellt. Wie Abdul Wahid Akbarzada, der aus Afghanistan stammende Gastvater, herausgefunden hat, soll die Narbe, die sich über die Bachdecke erstreckt, von einer Operation wegen einer Bauchfellentzündung herrühren. Waßmer bezweifelt dies. Entzündungen des Knochens, bei denen sich Fisteln bilden, kennt man von alten Schussverletzungen, insbesondere bei Kriegsversehrten. Am Montag, 10. März, wurde die Fistel operativ saniert und Gewebeproben entnommen. Die Analyse der Keime bestimmt die Wahl des Antibiotikums.

Privatdozent Dr. med. Andreas Artlich, der Chefarzt der Kinderklinik, konnte aufgrund von Nahibs stabilem Zustand seine Entlassung am 13. März verantworten. Er befindet sich bei seiner Gastfamilie. Nahib bekommt weiterhin Antibiotika. Die Therapie kann unter Umständen Wochen oder gar Monate dauern. Derzeit hat Nahib keinerlei Beschwerden, wie sein Gastvater bestätigt.

Nahib und Rashid haben in der kurzen Zeit einige Wörter deutsch gelernt. Beide fühlen sich bei den Gasteltern wohl. Die Gastmutter des kleinen Rashid, die eigene Kinder hat, beschreibt ihn: "Rashid ist nicht nur ein kleines Kind von ungefähr 2 1/4 Jahren, das in der Fremde ist. Er ist auch traumatisiert und nachts holen ihn seine Erlebnisse ein. Es ist oft so, als würde er um sein Überleben kämpfen. Er will nie alleine sein und braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Das Urvertrauen, dass man ihn nicht alleine lässt, wenn man in ein anderes Zimmer geht, hat er noch nicht. So sind wir 24 Stunden mit ihm zusammen. Es ist manchmal kräftezehrend, aber Rashid ist eines der größten Geschenke. Er sitzt gerne bei mir und freut sich daran, das Licht aus- und anzuknipsen. Seine unbändige Lebenslust, die er mit jedem Tag ohne Schmerzen mehr und mehr ausleben kann, seine Freude, seine Liebe, all das ist so unglaublich schön. Wir möchten keine Minute missen. Jeder neue Tag ist für ihn ein Abenteuer, alles ist neu für ihn: fließendes Wasser aus dem Hahn, der Fruchtzwerg, das Karussell, die Schaukel, das Eis, einfach alles, was für uns selbstverständlich ist. Und manchmal muss er schreien vor Freude. Wir wollten ein krankes Kind aufnehmen und haben nicht damit gerechnet, uns zu verlieben. Ich kann nur jeder Familie, die die Möglichkeit dazu hat, empfehlen, darüber nachzudenken."

Nach der Rückkehr nach Afghanistan hilft "Kinder brauchen uns e.V." weiter. Ein Mitarbeiter in Kabul kümmert sich um die weitere medizinische Betreuung und um die Versorgung mit Medikamenten. Auch wenn es ihr schwer fällt, von dem kleinen Rashid Abschied zu nehmen, ist seine deutsche Gastmutter zuversichtlich: "Wie es wird, wenn wir ihn zurückgeben müssen, kann ich mir noch nicht vorstellen. Es ist, als würden wir wissen, dass unser Kind bald stirbt. Aber ich hoffe und bete, dass er ein glückliches Leben in einer liebevollen Familie vor sich hat. Und denke mir: Welche Liebe steht dahinter, sein Kind in ein fremdes Land für unbestimmte Zeit zu fremden Menschen zu geben, damit es die Chance hat, gesund zu werden? Für uns ist er für immer in unserem Herzen und so schwierig es auch sein wird, die "Brücke" in sein kleines Dorf im Hindukusch zu schlagen. Wir werden es schaffen mit all den Helfern vor Ort und unserer Liebe zu ihm."

Spenden an den Verein Kinder brauchen uns e.V:
Konto 463 074 100
BLZ 362 500 00
Sparkasse Mülheim a. d. Ruhr

Bilder:
Die Bilder zeigen jeweils Dr. med. Günther Waßmer bei der Untersuchung des zweijährigen Rashids (2 Bilder) beziehungsweise Nahibs.
















© 2002 by Netzwerk Gesundheit im Landkreis Ravensburg, Welfenstraße 2, 88212 Ravensburg