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26.11.07 - Fünf Jahre Schlaganfallinfostelle

RAVENSBURG (wil) - Seit fünf Jahren ist Karin Geffers in der Schlaganfallinfostelle am Krankenhaus St. Elisabeth für andere da. Sie hilft Patienten und Angehörigen, sich auf ein Leben nach dem Schlaganfall einzustellen. Und sie will dafür sorgen, dass Menschen Bescheid wissen, bevor es so weit kommt. Genauso wie Dieter Zimmer, früherer ZDF-Moderator und selbst Betroffener. Er sprach bei einer kleinen Feier zum fünfjährigen Bestehen der Infostelle.

Zehn Jahre ist es her, dass Karin Geffers in ihrem Haus in Wilhelmsdorf einen Schlaganfall erlitten hat. Mit 34. "Schlaganfall ist nicht nur ein Thema für ältere Menschen." Sie hat es selbst erfahren und unternimmt alles, damit von ihrem Wissen andere profitieren. Sie hat noch heute ständig starke Kopfschmerzen, ist auf dem rechten Auge blind und kann auf dem linken nur eingeschränkt sehen. Ihren Lebensmut und ihre Tatkraft hat sie nicht verloren. Sie erinnert sich an die Zeit nach ihren Klinikaufenthalten: "Ich fiel in ein schwarzes Loch. Es war niemand da, der mir Tipps geben konnte."
Karin Geffers handelte. 1999 gründete sie eine Selbsthilfegruppe. 2002 rief sie die Schlaganfallinfostelle ins Leben, die sie bis heute ehrenamtlich betreut. Jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr ist sie im EK ansprechbar. Viele hundert Menschen haben Rat und Hilfe bei ihr gesucht. Auch für 2008 hat Karin Geffers neue Pläne: Gründung einer Selbsthilfegruppe im Allgäu, Herausgabe einer Broschüre, Verstärkung in ihrer Infostelle. "Beeindruckend"; so das Lob von Dr. Jan-Ove Faust, Direktor für Medizin und Behandlung an der OSK, für dieses Engagement. Von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe ist die Wilhelmsdorferin mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet worden. Sie findet mittlerweile bundesweit Aufmerksamkeit. Eine große Sonntagszeitung hat sie gerade für eine Wahl zur "Kämpferin des Jahres" im Gesundheitswesen nominiert. Ein anderer "Kämpfer" für die Aufklärung in Sachen Schlaganfall war zur Feier des Jubiläums nach Ravensburg gekommen: Dieter Zimmer, früherer Moderator der Drehscheibe, der heute-Nachrichten und der Wahlsendungen im ZDF. Für Zimmer war es ein Wiedersehen mit Ravensburg, kennt er die Region doch aus seinen beruflichen Anfangsjahren als Fernsehreporter des SWR.
Auch Zimmer ist Schlaganfallbetroffener. Mitten im Berufsleben, gerade 49 Jahre alt, hat ihn das Schicksal ereilt. Wer sich ein Bein bricht, merkt, was nicht stimmt, sagt Zimmer. Ein Herzinfarkt verursacht schlimme Schmerzen. "Aber bei einem Schlaganfall weiß man nicht, was einem überhaupt passiert." Er selbst verspürte im Bett einen "Knacks" im Kopf. Geht ins Badezimmer, setzt sich auf die Wannenkante und leidet an einem unsäglichen Schwindel- und Drehgefühl. Fasst den falschesten aller möglichen Entschlüsse: "Ins Bett legen. Warten, bis es vorbei ist." Nichts geht vorbei. Er weiß jetzt, dass er Hilfe braucht. Er wählt die Telefonnummer der Nachbarn. Merkt, dass er die Sätze, die sein Gehirn formuliert, nicht über die Lippen bringt. Hört am anderen Ende der Leitung: "Sind Sie am Morgen schon betrunken?" Er wählt 112, den Rettungsdienst. "Wir kommen." Alleine das hilft noch nicht. Die Retter müssen ins Haus. Er wälzt sich aus dem Bett, merkt, dass die Beine gelähmt sind. Kriecht zur Treppe, rutscht auf dem Rücken hinunter, kann die Türe aufziehen und sich auf die Schwelle legen. Bis die Notärztin kommt und sofort sieht, was los ist. Einschränkungen, die zurückgeblieben sind, merkt man Dieter Zimmer nicht an. "Ich kann mich nicht beklagen", sagt er. Schon nach wenigen Monaten hat er sein Comeback auf dem Bildschirm. Bei einer Landtagswahl im Saarland. Angst treibt ihn um, dass ihm Namen entfallen können. Im Krankenhaus hat er es unmittelbar nach dem Schlaganfall erlebt. Nur jetzt wäre es vor laufenden Kameras. Zimmer schreibt sich die Namen von Oskar Lafontaine und den anderen Größen, die er interviewen wird, auf eine Karte, die er ständig im Blick hat. Es ist ein Kampf, von dem das Millionenpublikum draußen nichts merkt. Nur seine Therapeutin wird ihm später sagen, dass er mit der rechten Hand "gekrampft" hat.
Zimmers Schilderung bewegt. Seine Botschaft ist einfach: Aufklärung und nochmals Aufklärung. Nach einem Schlaganfall ist es entscheidend, richtig zu handeln. Das heißt: schnell. Noch immer, so Zimmer, kommen viel zu wenige Patienten innerhalb des kritischen Drei-Stunden-Fensters in einer spezialisierten Stroke Unit wie im EK. an. Dabei ist Zeit sprichwörtlich Hirn.
Die Schlaganfallinfostelle am EK ist ein Beitrag, um diese Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie ist in dieser Form einmalig in Deutschland, sagt Privatdozent Dr. Dietmar Bengel, der Chefarzt der Neurologie am EK. Er hält den engen Kontakt einer ehrenamtlichen Beratungsstelle zur Akutmedizin für zukunftsweisend. Von seinen ärztlichen Kollegen weiß er, dass das "Ravensburger Modell" beginnt, Schule zu machen. Auch andere große Kliniken überlegen sich, solch eine Stelle einzurichten.








Dieter Zimmer (links) und Karin Geffers, Gründerin der Schlaganfallinfostelle

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