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29.06.07 - Ein Findling erinnert Dr. Stumpp stets an sein Spital

RAVENSBURG (wil) – Nach 30 Jahren als Arzt am Heilig-Geist-Spital ist Dr. Wolfram Stumpp in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger als Leiter der Geriatrischen Rehabilitation ist Privatdozent Dr. Dietmar Bengel, Chefarzt der Abteilung für Neurologie am Krankenhaus St. Elisabeth. Er wird die Leitungsaufgabe im Spital zusätzlich zu seiner Funktion im EK übernehmen.

An das Spital, das fast sein ganzes Berufsleben geprägt hat, wird Dr. Stumpp in seinem heimischen Garten auch künftig täglich erinnert: Bürgermeister Hans-Georg Kraus überbrachte ihm als schwergewichtiges Abschiedsgeschenk einen Findling, der bei der Sanierung des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Baus am Fundamet herausgebaggert worden ist. Kraus würdigte Dr. Stumpp als ein „Urgestein“ des Spitals.
Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Oberschwaben Klinik erwähnte eine Besonderheit auf Dr. Stumpps beruflichem Weg: Er dürfte der einzige sein, der vom Ravensburger Gemeinderat zwei Mal einstimmig in die gleiche Position gewählt worden ist: Zunächst 1974, als sich der Assistenzarzt am Städtischen Krankenhaus um die Oberarztstelle bewarb und dann wieder 1978, als Dr. Stumpp nach einem dreijährigen Intermezzo in Rheinfelden zurück nach Ravensburg wollte. Die Familie war der Grund. Die Gemeinderäte nahmen es ihm nicht übel, dass er sich 1975 nach nur einem Jahr wieder verändert hatte. „Er war während seiner hiesigen Tätigkeit aufgrund seines fachlichen Könnens und seiner harmonischen Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Pflegepersonal sehr geschätzt“, heißt es in der Ratsvorlage aus dem Jahre 1978.
Ein Urteil im besten damaligen Verwaltungsdeutsch, das inhaltlich bis heute gilt, meinte Kraus. Dr. Stumpp habe am Spital zuletzt mit dem Aufbau der Geriatrischen Reha, die er seit 2006 als Nachfolger von Chefarzt Dr. Günther auch geleitet hat, wertvolle Arbeit geleistet. Auch Rückschläge dadurch, „dass die Geriatrische Reha von den Kassen finanziell äußerst kurz gehalten wird“, hätten ihn nicht entmutigt. Kraus betonte, dass der Gemeinderat den Bebauungsplan, der die Aufstockung des Bettenanbaus am Spital zulässt, beschlossen hat. Damit bestehe „grünes Licht“ für die Ansiedlung weiterer Praxen. Das Bauprojekt und die Vertragsgespräche würden zügig vorangetrieben.
Licht am Horizont für die Geriatrische Reha sieht OSK-Geschäftsführerin Dr. Elizabeth Harrison. Die Gesundheitsreform habe sie von der Ermessens- zur Pflichtleistung der Kassen gemacht. Damit werde die Geriatrische Reha ins Zentrum gerückt. Dies sei, so Harrison, sei auch eine Bestätigung der Arbeit von Dr. Stumpp. Geriatrische Reha bedeute, den Menschen als Ganzes zu sehen. Die Patienten hätten immer gespürt, dass sich mit Dr. Stumpp ein Arzt um sie kümmert, der sich ihnen auch menschlich zuwendet.
„Dr. Stumpp, der Vielbeschäftigte, war immer für jeden zu sprechen:“ So fasste Professor Dr. Gottfried Fuchs, der frühere Chefarzt für Innere Medizin im „Städtischen“ und ab 1998 der Geriatrischen Reha, die Arbeit seines Stellvertreters zusammen. Fast gleichzeitig kamen der damals junge Chefarzt und der junge Oberarzt ans Spital. Ein Vierteljahrhundert lang prägten sie als Duo die Innere Abteilung und später die Geriatrische Reha. Dr. Stumpp war nicht nur als Arzt, sondern auf Grund seines technischen Verständnisses für einfach alles im Spital gefragt. Egal, welches Gerät wieder Macken hatte, immer hieß es: „Stumpp soll kommen“, erzählte Professor Fuchs. Er gab in seiner Laudatio viele Anekdoten zum Besten – nicht zuletzt die von Dr. Stumpps legendären Auftritten an der Fasnet beim „Annele“ in Baumgarten. Er schlüpfte in die Rolle der Schwester, des Pförtners oder des Tippelbruders und nahm aufs Korn, was sich im „Städtischen“ so tat.
Das „Wir-Gefühl“ im Spital lobten für die Mitarbeiter Anita Hennen-Albrecht und Schwester Lilia Tisch. Darauf kann  PD Dr. Dietmar Bengel, der neue Chef aufbauen. Durch gemeinsame Visiten und die enge Zusammenarbeit mit Dr. Stumpp ist er schon in die Arbeit der Geriatrischen Reha eingebunden. Bereits während seiner Zeit als Leitender Oberarzt an der Uniklinik Ulm hat sich Dr. Bengel zum Facharzt für Klinische Geriatrie weitergebildet. Im Dezember 2004 ist er als Chef der Neurologie ans EK gekommen. Verstärkt wird das unter seiner Leitung arbeitende Team im Spital ab  September durch den neuen Oberarzt Dr. Marc Riemer. Als ein „Juwel“ lobt Dr. Jan-Ove Faust, Direktor für Medizin und Behandlung der OSK, das Spital. „Wir werden hier moderne Medizin für ältere Menschen betreiben.“
8300 Arbeitstage hat Dr. Stumpp im Spital verbracht. Er misst der Altersmedizin eine große Bedeutung zu: „Ein Haus wie dieses wird immer dringender gebraucht. Davon bin ich fest überzeugt.“ Seine Abschiedsworte
waren eine Liebeserklärung an „sein“ Spital. Vor der 2000 abgeschlossenen Sanierung sei man gut beraten gewesen, stets Werkzeug für kleinere Reparaturen parat zu haben. Aber schon damals, als das Spital noch Acht-Bett-Zimmer hatte und die Schwester an der Pforte von erhobener Warte aus auf die Ankömmlinge herabblickte, habe dieses Haus „seine gewisse Atmosphäre“ gehabt“. Die Zimmer 118 und 215 seien an der Fasnet und beim Rutenfest die besten Logenplätze. „Kein noch so schöner Bau des 21. Jahrhunderts kann mit der Atmosphäre und dem Ambiente des Spitals konkurrieren“, meinte Stumpp. „Ich weiß noch als wäre es heute, wie mich dieses Haus faszinierte, als ich es zum ersten Mal durch die alte, schwere Eichentüre betrat.“







v.l.: H.-G. Kraus, Dr. D. Bengel, Dr. W. Stumpp, Dr. M. Riemer, Dr. E. Harrison, Dr. J.-O. Faust

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