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30.10.06 - Substitutionsbehandlung: Drogenabhängige brauchen Ärzte

RAVENSBURG (zfp) – Ein anerkannter Facharzt in Ravensburg stellt die Substitutionsbehandlung für Drogenabhängige ein. Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychiatrie Die Weissenau (ZfP), und Oberarzt Dr. Markus Leibfarth von der Drogenentzugsstation Mariatal befürchten, dass zunehmend mehr Drogenabhängige in die offene Szene abrutschen könnten. Eine Lösung wäre, eine Schwerpunktpraxis im Raum Ravensburg zur Methadonbehandlung einzurichten.
„Die Substitution Drogenabhängiger mit Ersatzstoffen wie Methadon ist eine wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode. In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass diese zu Verbesserungen der körperlichen und seelischen Gesundheit und der sozialen Situation von Drogenabhängigen führt.“ Dies betont Oberarzt Dr. Markus Leibfarth vom ZfP. „Positive und erwünschte Begleiteffekte sind ein Rückgang der Beschaffungskriminalität und der hierdurch entstehenden Kosten für die Gesellschaft.“
Während in größeren Städten die Substitutionsbehandlung überwiegend in spezialisierten Schwerpunktpraxen erfolgt, sind es im ländlichen Raum bislang in erster Linie besonders qualifizierte niedergelassene Ärzte, die diese Aufgabe neben ihrer allgemeinmedizinischen Tätigkeit übernehmen. Bei der Substitutionsbehandlung sind die Ärzte an die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes und an die so genannten BUB-Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen gebunden. Sie werden regelmäßig von einem Ausschuss der kassenärztlichen Vereinigung überprüft.
In der Praxis ist diese für die Patienten lebenswichtige Behandlung für die Ärzte unattraktiv, erklärt Markus Leibfarth: „Es handelt sich häufig um schwer führbare Patienten, der Dokumentationsaufwand ist erheblich. Der für eine gute Substitution zu betreibende Zeitaufwand steht in keinem Verhältnis zur finanziellen Vergütung.“
Es gibt nur sehr wenige Drogenabhängige, die innerhalb einer Substitutionsbehandlung nie Alkohol oder andere Drogen zu sich nehmen. Ziel ist es selbstverständlich, den Beikonsum anderer Suchtmittel so gering wie möglich zu halten, wenn möglich eine Abstinenz von Beikonsum zu erzielen. Dieses Ziel ist bei vielen Substitutionspatienten wenn überhaupt nur durch eine längere Behandlung zu erzielen.
Für die behandelnden Ärzte stellt sich häufig die Frage, ob sie ihren Patienten weniger gefährden, wenn sie trotz immer wieder vorkommenden Beikonsums die Behandlung unter bestimmten Bedingungen weiterführen oder wenn sie die Substitution beenden. „In vielen Fällen müssen sie dann zu dem Ergebnis kommen, dass eine Weiterbehandlung zu weniger Schaden führt“, sagt Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel.
Vor allem die Angst, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, habe dazu geführt, dass viele Ärzte aus der Substitution ausgestiegen sind und insbesondere in den Landkreisen Ravensburg und Bodensee eine flächendeckende Substitution nicht mehr gewährleistet ist. Hierdurch entstand bereits in der Vergangenheit ein „Substitutionstourismus“ in benachbarte Landkreise, wissen die ZfP-Ärzte. Vor dem Hintergrund des aktuellen Verfahrens gegen den Ravensburger Facharzt Dr. Dietmar Hawran befürchten sie, dass weitere Ärzte folgen werden und zunehmend wieder Drogenabhängige in die offene Szene abrutschen.
Der knappen Anzahl von Substitutionsplätzen bei qualifiziert substituierenden Ärzten steht gegenüber, dass auf dem Schwarzmarkt Methadon in größeren Mengen verfügbar scheint. Die Quellen offen zu legen, halten die Weissenauer Mediziner für sinnvoll. „Hierbei sollte allerdings darauf geachtet werden, dass nicht die wenigen verbliebenen qualifiziert arbeitenden und engagierten Substitutionsärzte aus Sorge um ihre eigene Existenz ihr Amt niederlegen“, betont Markus Leibfarth.
Paul-Otto Schmidt-Michel ergänzt: „Es besteht ein dringender Handlungsbedarf. Der drohenden Verelendung Drogenabhängiger und Bildung offener Szenen durch Wegbrechen der Substitutionsbehandlung gilt es entschieden entgegen zu wirken. Mit der Einrichtung einer Schwerpunktpraxis im Raum Ravensburg könnte die aktuelle Notsituation entschärft werden. Hierfür ist allerdings Unterstützung von allen Seiten notwendig, da auch eine spezialisierte Schwerpunktpraxis die genannten Probleme der Substitutionsbehandlung nicht alleine schultern kann.“



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Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychiatrie Die Weissen





Das Krankenhaus des Zentrums für Psychiatrie Die Weissenau verfügt über rund 365 Betten.

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