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07.07.06 - Clinic Home Interface

RAVENSBURG (wil) – Monika Sauter leidet an Krebs. Seit elf Jahren. Trotz ihrer schweren Krankheit kann sie zu Hause in Vogt in den vertrauten vier Wänden leben. Die Betreuung durch Clinic Home Interface (CHI) macht es möglich. Das fünfköpfige Team betreut ständig 200 Tumorpatienten, die ansonsten in Kliniken müssten. CHI hilft nicht nur mit medizinischem und pflegerischem Fachwissen, sondern auch durch viel Zuwendung im Gespräch.

Von Winfried Leiprecht, Oberschwaben Klinik

„Ich weiß, dass jemand da ist, an den ich mich jederzeit wenden kann“, sagt Monika Sauter. Ihr Blick schweift hinaus in den Garten. Dorthin, wo sich im blauen Wasser des kleinen Pools zwi-schen den grünen Büschen die Sonne spiegelt. „Ich kann noch im meinen Garten gehen. Das ist für mich das Schönste“, erzählt die 61-Jährige. Auf der Kante ihres Bettes sitzt Schwester Anne Grüninger von Clinic Home Interface. Sie spricht mit der Patientin über dies und jenes, nicht nur über Medizin und Krankheit. „Es sind Gespräche, die mich freuen“, sagt Monika Sauter. „Es ist schön, wenn man persönliche Worte hört.“
„Sieben Jahre lang ist es mit meiner Krankheit relativ gut gegangen“, berichtet sie. Obwohl es auch in dieser Zeit  Klinikaufenthalte, Operationen und Rückschlage gegeben hat. Dann, als sich Metastasen an den Knochen bildeten, wurde es vor drei Jahren unerträglich. „Ich hatte Schmerzen, die kann man gar nicht beschrei-ben. Der Schmerz war immer da, Tag und Nacht. Dieser  Schmerz nimmt einem alles“.
Ihr Hausarzt Dr. Martin Ebeling wählte die Nummer von Clinic Home Interface. Schwester Anne kam umgehend. „Wenn ein Hausarzt oder eine Familie bei uns anruft, dann hat das absolute Priorität“, sagt sie. Mittags um 14 Uhr war sie da. „Nach drei oder vier Stunden erlebte ich die Welt schon wieder ganz anders“, erzählt Monika Sauter. „Ich will nicht übertreiben, aber irgendwie schien das wie ein Wunder.“ Eine Pumpe, die sie an einem Gürtel ständig bei sich führt und über die sie sich Schmerzmittel zuführt, ermöglicht ein Leben ohne ständige Pein. Das Gerät ist eine jener modernen Möglichkeiten, die es heute zur Betreuung Tumorkranker gibt. Das Schmerzmittel ist Morphium, kombiniert mit anderen Substanzen. Die Dosierung ist je nach Patient unterschiedlich. Die viel disku-tierte Missbrauchsgefahr sieht Schwester Anne nicht. Das Gerät ist versiegelt. „Und ein gut eingestellter Schmerzpatient wird sich niemals zu viel Mittel spritzen.“
Monika Sauter hat sich an die Pumpe gewöhnt. „Ich weiß gar nicht, wie es krebskranke Men-schen ohne ein solches Gerät aushalten.“ Selbstverständlich ist eine solche Haltung nicht. „Ich erlebe immer wieder, dass sich Patienten mit Händen und Füßen gegen die Pumpe wehren“, berichtet Schwester Anne. Gespräche, die viel Fachwissen und genauso viel Verständnis für die Situation des Gegenüber erfordern, sind dann nötig. Ein bis zwei Mal in der Woche sieht das CHI-Team nach seinen Patienten. Außer, es gibt akute Anlässe. Dann ist CHI rund um die Uhr rufbereit.
Für die Betreuung müssen die Patienten nichts bezahlen. Es sind weder Rezepte noch Verord-nungen oder Gutachten nötig. Das fünfköpfige Team und die Sekretärin werden zu 70 Prozent von den Krankenkassen in der Region finan-ziert. Die restlichen 30 Prozent übernimmt der Förderverein. Das sind die Kosten für 1,5 Per-sonalstellen, die Fortbildung und die psychologische Führung des Teams, erläutert Dr. Sieg-mar Mende, der Vorsitzende des Vereins. „Wir sind auf das Engagement und die Hilfe der Bevölkerung angewiesen und brauchen jedes Jahr über  50 000 Euro an Spenden“, betont er.
2600 Visiten bei den Patienten weist die Statis-tik jedes Jahr aus. 71 Prozent davon sind Be-suche zu Hause, elft Prozent in Hospizen und Pflegeheimen und 18 Prozent in Krankenhäu-sern, um die Patienten kennen zu lernen. Nur bei einem Fünftel der von CHI betreuten Menschen ist die Wiederaufnahme in der Klinik nötig. Eine Zahl, die nach Ansicht von Dr. Mende beweist, wie wichtig die CHI-Arbeit ist. Auch für Dr. Martin Ebeling, den Hausarzt, der voll des Lobes ist: „Gäbe es CHI nicht, hätten wir ein Problem. Die Therapieergänzung ist unheimlich gut.“ CHI ist als Dienst zwar bei der Oberschwaben Klinik angesiedelt. Federführend bei der Betreuung der Patienten ist aber der jeweilige Hausarzt.
Trotz ihrer schweren Krankheit hat Monika Sauter sich ihre Lebensfreude erhalten. Sie war zusammen mit ihrem Mann sogar für einige Tage in Norditalien im Urlaub. Eine Fahrt, die ohne die Betreuung durch CHI kaum  denkbar gewesen wäre. Die Frau, die auf der Insel Bor-kum aufgewachsen ist, träumt davon, noch einmal ans Meer zu reisen. Natürlich beschäftigt sie sich auch mit all den Mittel, die angeb-lich bei  Krebs helfen. „Kieler Sprotten sollen gut sein für die Knochen“, sagt sie und lacht. „Man muss halt fest dran glauben.“ Aber auch skeptisch und realistisch bleiben. „Medizinisches steht natürlich im Vordergrund“, meint sie. Dann der Gedanke, der immer wieder anklingt: „Ich bin so froh und dankbar über Clinic Home Interface. Es ist das Allerwichtigste, die Gewissheit zu haben, dass es diese Ansprechpartner gibt.“

Daten und Fakten:
Clinic Home Interface ist vor 17 Jahren von Professor Dr. Gerhard  Meuret in Ravensburg gegründet worden. Ärztlicher Leiter für das fünfköpfige Team ist der niedergelassene Fach-arzt Dr. Christoph Nonnenbroich. Seine Stell-vertreter sind Dr. Gerhard Fischer, Klinikarzt am EK, und der niedergelassene Hausarzt Dr. Reinhard Kleemann. Vorsitzender des Förder-vereins ist Dr. Siegmar Mende. CHI betreut etwa 200 schwerkranke Tumorpatienten in den Kreisen Ravensburg, Biberach, Bodensee und Lindau. Jährlich gibt es 2600 Visiten und 200 Telefonberatungen.
Das Sekretariat von CHI ist über 0751) 87-2429 oder über die Pforte des EK 87-0 zu erreichen. Das Spendenkonto des Fördervereins lautet 282 011 000 bei der Dresdner Bank, BLZ 650 800 09.

Bildunterschrift: Regelmäßig besucht CHI-Schwester Anne Grüninger (links) ihre Patientin Monika Sauter in Vogt (Mitte). Die Arbeit von CHI ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie zu Hause leben kann. Die Fäden der Betreuung hält Dr. Martin Ebeling, der Hausarzt (rechts), in der Hand. Foto: Leiprecht/Oberschwaben Klinik

 

 



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Bildunteschrift: Siehe Text


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CHI ist bei der Oberschwaben Klinik angesiedelt.

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